Dachverband für Selbsthilfeinitiativen und Fördervereine

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Therapie-Wochenende

Therapie-Wochenende

Einmal jährlich wird ein verlängertes Wochenende Reittherapie oder Musiktherapie (im Wechsel) für Familien mit beeinträchtigten Frühgeborenen ausgeschrieben. Bis zu zehn Familien bzw. Alleinerziehende können sich mit ihren Kindern für die Teilnahme bewerben.

Mögliche Ausschreibungen werden unter Aktuelles bekannt gemacht.

Bereiche des Therapeutischen Reitens

von Hanne Brenner

„Auf dem Rücken der Pferde liegt das Glück dieser Erde". Schon seit dem Altertum ist die wohltuende Wirkung des Reitens auf Körper und Seele bekannt. In den einzelnen Bereichen des Therapeutischen Reitens wird die positive Wirkung des Umgangs mit dem Pferd und des Reitens auf dem Pferd in unterschiedlicher Weise für die positive Beeinflussung von körperlichen, psychischen, geistigen oder psychosozialen Störungen, Behinderungen und Erkrankungen des Menschen genutzt.

Ende der 1950er Jahre entdeckten Ärzte und Physiotherapeuten die ausgleichende Wirkung des rhythmischen Bewegt - werdens des Patienten auf dem sich im Schritt bewegenden Pferd bei verschiedenen neurologischen und orthopädischen Krankheitsbildern. Es entwickelte sich die Hippotherapie.

In den 1960er Jahren wurde das Pferd im Bereich pädagogischer Maßnahmen mit Kindern und Jugendlichen zunehmend eingesetzt. In der heilpädagogischen Arbeit mit Pferden, hier vor allem im heilpädagogischen Voltigieren und Reiten, steht die Unterstützung der Entwicklung in den Bereichen Motorik, Wahrnehmung, Lernen, Befinden und Verhalten im Vordergrund. Die individuelle und ganzheitliche Entwicklung des Menschen soll durch den Bewegungsdialog mit dem Pferd und die Beziehungsgestaltung zum Pferd und zum Pädagogen unterstützt werden.

Neben den beiden oben genannten Bereichen entwickelte sich zeitgleich die Teilnahme von Menschen mit einer geistigen oder körperlichen Behinderung am Pferdesport, hier zunächst besonders im Reiten. Heute nehmen behinderte Menschen sowohl am Reiten als auch am Voltigier- und Fahrsport teil. Der Pferdesport ist eine der wenigen Sportarten, den behinderte und nicht behinderte Menschen zusammen ausüben und in dem sie sich auch in Wettkämpfen miteinander messen können. Das Pferd leistet hier einen einmaligen Beitrag zur Integration.

Neu hinzugekommen ist seit 2005 der Bereich des Ergotherapeutischen Reitens - SI-orientiert. Menschen mit unterschiedlichen Störungen oder Behinderungen werden auf der Basis der sensorischen Integrationsbehandlung mit Hilfe des Pferdes in den Bereichen Wahrnehmung, Motorik, Be ziehungsgestaltung
sowie dem Aufbau von Selbständigkeit gefördert.

Derzeit wird das Therapeutische Reiten in vier Fachbereiche unterteilt:

  • Hippotherapie (medizinisch-krankengymnastischer Bereich)
  • Heilpädagogisches Voltigieren und Reiten (pädagogischer/psychologischer Bereich)
  • Reiten als Sport für Menschen mit Behinderungen (Behindertenpferdesport)
  • Ergotherapeutisches Reiten - SI-orientiert (Sensorische Integrationsbehandlung mit dem Pferd)

Hippotherapie

Der Begriff der Hippotherapie leitet sich von den griechischen Wörtern „Pferd" (hippos) und „Behandlung" (therapeia) ab.

Die Hippotherapie ist eine physiotherapeutische Einzelbehandlung auf neurophysiologischer Grundlage mit und auf dem Pferd. Sie stellt eine wertvolle Ergänzung neurophysiologischer/krankengymnastischer Behandlungen dar.

Ein Physiotherapeut mit einer Zusatzausbildung in der Hippotherapie führt die krankengymnastische Behandlung auf dem Pferd durch. Während der Behandlung wird das Pferd von einem ausgebildeten Pferdeführer auf Anweisung der Hippotherapeutin am Langzügel geführt.

Die Therapie findet in der Gangart Schritt statt, da sich in dieser Bewegungsform die neurophysiologisch wirksamen Elemente voll entfalten können, deren Basis die verwandten Bewegungsmuster von Mensch und Pferd sind. Über den Pferderücken werden dreidimensionale Schwingungen auf den Patienten übertragen. Die dabei entstehenden Impulse ermöglichen ein gezieltes Training der Haltungs- Gleich gewichts- und Stützreaktionen sowie eine Regulierung des Muskeltonus.

Besonders geeignet ist die Behandlung mit Hilfe des Pferdes bei Schädigungen oder Funktionsstörungen des Zentralnervensystems und des Stütz- und Bewegungsapparates. Durch die Hippotherapie können vor allem neurologische Krankheitsbilder wie z.B. Spastik und Multiple Sklerose günstig beeinflusst werden. Die Hippotherapie wird grundsätzlich ärztlich verordnet und von einer Physiotherapeutin mit Zusatzausbildung in der Hippotherapie im Rahmen einer Einzelbehandlung durchgeführt. Ärzte und Physiotherapeuten arbeiten eng zusammen, dokumentieren und überwachen die Behandlungsfortschritte.

Heilpädagogisches Voltigieren und Reiten

Es handelt sich beim Heilpädagogischen Voltigieren und Reiten um pädagogische, psychologische, psychotherapeutische, rehabilitative und soziointegrative Angebote mit Hilfe des Pferdes bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit verschiedenen Behinderungen oder Störungen.

Dabei steht nicht die reit- oder voltigiersportliche Ausbildung, sondern die individuelle und ressourcenorientierte Förderung über das Medium Pferd im Vordergrund. Eine güns tige Beeinflussung der Persönlichkeitsentwicklung gehört insbesondere in den Bereichen Motorik, Wahrnehmung, Lernen, Befindlichkeit und Verhalten zu den Zielsetzungen.

Das Bewegtwerden auf dem Pferderücken und die Gestaltung der Beziehung zum Therapiepferd und zum Pädagogen unterstützen den Klienten in der Auseinandersetzung mit seinen individuellen Schwierigkeiten. Kinder, Jugendliche und Erwachsene können aufgrund positiver Erfahrungen ihr Selbstwertgefühl stärken und eine angemessene Selbsteinschätzung erlernen. Die Konzentrations- und Lernfähigkeit sowie der angemessene Umgang mit Emotionen (z.B. Wut, Ärger, Trauer, Freude) stehen häufig im Vordergrund der Zusammenarbeit. Positive Lernerfahrungen im Bereich des sozialen Verhaltens werden nicht nur durch das Pferd und den Pädagogen, sondern auch durch die anderen Gruppenmitglieder ermöglicht.

Das Heilpädagogische Voltigieren und Reiten wird von pädagogischen oder psychologischen/psychotherapeutischen Fachkräften mit einer Weiterbildung zum Voltigier- und/oder Reitpädagogen durchgeführt. Häufig werden heilpädagogische
Maßnahmen in Reitvereinen, Heimeinrichtungen, Schulen, freien Praxen oder in stationären Behandlungsmaßnahmen (z.B. Kinder- und Jugendpsychotherapie) angeboten.

Die Entwicklungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass die psychotherapeutische Arbeit mit dem Pferd zunehmend nachgefragt wird. Derzeit wird der Aufbau eines eigenständigen Bereiches „Psychotherapeutische Arbeit mit dem Pferd" im DKThR
entwickelt.

Reiten als Sport für Menschen mit Behinderungen

Für viele Menschen mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung oder einer Sinnesschädigung stellt das Reiten, Fahren oder Voltigieren ein sportliches Lern- und Übungsfeld dar, das sie gemeinsam mit nicht behinderten Menschen nutzen
können.

Im Rahmen des Breitensports wird die Sportausübung gemeinsam mit dem Pferd zum Hobby und stellt eine Möglichkeit dar, soziale Kontakte zu knüpfen und der häufig behinderungsbedingten Bewegungseinschränkung entgegen zu wirken.

Im Leistungsbereich messen behinderte Menschen ihr Können in speziell an Ihren Wettkampfklassen (Grade) ausgerichteten Prüfungen, z.B. bei den Paralympics, oder in Prüfungen gemeinsam mit nicht behinderten Reitern und Fahrern.

Der Pferdesport ist durch die Entwicklung spezieller Hilfsmittel und besonders ausgebildeter Pferde auch für schwerstbehinderte Menschen möglich. Behinderte Sportler benötigen für die Teilnahme am Reit- Voltigier- oder Fahrsport einen Sportgesundheitspass.

Trainiert werden Menschen mit Behinderungen im Pferdesport von Trainern mit einer Zusatzqualifikation im Bereich Reiten als Sport für Menschen mit Behinderungen. Die ärztliche Betreuung erfolgt in der im Behindertensport üblichen Weise in Zusammenarbeit mit dem Hausarzt.

Ergotherapeutisches Reiten - SI-orientiert

Das Angebot des Ergotherapeutischen Reitens - SI-orientiert richtet sich hauptsächlich an Kinder und Jugendliche, die Schwierigkeiten haben, die Sinneseindrücke zu filtern und sie sinnhaft zu deuten. Die Integration von Sinneseindrücken bildet die Basis für eine altersgemäße motorische, sensorische,
kognitive und sozio-emotionale Entwicklung.

Im Ergotherapeutischen Reiten - SI-orientiert steht besonders die Integration der Nahsinne (Tastsinn, Bewegung des Körpers und Gleichgewicht) im Fordergrund. Das übergeordnete Ziel ist immer, eine möglichst große Handlungskompetenz und größtmögliche Selbständigkeit des Patienten zu erreichen.

In der Regel handelt es sich um eine Einzelmaßnahme, die sowohl Elemente mit dem Pferd (Umgang mit dem Pferd) als auch auf dem Pferd enthält.

Die SI-orientierte ergotherapeutische Behandlung mit dem Pferd wird von einem Ergotherapeuten mit einer Weiterbildung im Ergotherapeutischen Reiten - SI-orientiert durchgeführt. Die Behandlung wird vom Arzt verordnet.

Was ist Musiktherapie?

Musik hat eine besondere Qualität, wenn es darum geht, eine gute, sichere Atmosphäre zu schaffen und Kontakt aufzubauen. Auf dieser Grundlage entwickelte sich die Musiktherapie als eine Form der Psychotherapie, die Musik gezielt einsetzt, um psychische Prozesse in Gang zu setzen und zu vertiefen. Heute gibt es eine Vielzahl von Ansätzen und Schulen im Bereich der Musiktherapie (vgl. unten). Allen ist gemeinsam, dass im gemeinsamen Gestalten oder Hören von Musik spezifische therapeutische Ziele erreicht werden. Dabei wird besonders das persönliche Erleben des Kindes beachtet, da sich auf dieser Basis der individuelle therapeutische Prozess entwickelt.

Besonders in der Arbeit mit Kindern kann sich in einem bewertungsfreien Raum auf präverbalem Weg über den Spiel- und Aufforderungscharakter der Instrumente, über Kreativität und Ausdrucksfreude Kommunikation und gemeinsames Erleben gestalten. Dabei werden psychische Prozesse deutlich, die im symbolischen und präsymbolischen Spiel bearbeitbar sind. Dies stößt Entwicklung an und fördert das Selbstbewusstsein und die Autonomie der Kinder.

Zielgruppe Frühgeborene

Die Frühgeborene durften durch ihre zu frühe Geburt wichtige atmosphärische und emotionale Erfahrungen nicht in dem Umfang machen wie voll ausgetragene Babys. Darüber hinaus haben diese Kinder nicht nur erschwerte Bedingungen zu Beginn ihres Lebens, sie haben oftmals mit Folgeproblemen ihrer Frühgeburtlichkeit zu kämpfen. Nicht selten findet man Reifungs- und Entwicklungsverzögerungen, motorische und sensorische  Probleme oder kognitive Beeinträchtigungen; in Folge davon können sich auch emotionale und soziale Schwierigkeiten zeigen.
Die besondere Qualität der Musik kann speziell für Frühgeborene von Bedeutung sein,....

musiktherapeutische Angebote für (ehemals) frühgeborene Kinder

sensorische Stimulation über Mutterstimme in der Neonatologie

Dr. Monika Nöcker-Ribaupierre entwickelte ein musiktherapeutisches Konzept für die Arbeit mit Frühgeborenen auf der Neugeborenen-Intensivstation. Die Mutterstimme dient dabei als Brücke, um die Mutter-Kind-Bindung unter diesen erschwerten Anfangsbedingungen zu unterstützen und zu fördern. Untersuchungen zeigen, dass die Kinder dadurch nicht nur emotional profitieren, sondern auch in ihrer motorischen und kognitiven Entwicklung den Kontrollkindern langfristig signifikant voraus sind.

Musiktherapeutisch geführte Mutter-Kind-Gruppen (0-3 Jahre)

Nach der Klinik-Entlassung  wird der o.g. Ansatz in musiktherapeutischen Mutter-Kind-Gruppen weitergeführt. Einfache musiktherapeutische Spielformen dienen der Festigung der Mutter-Kind-Bindung und helfen nach den sorgenvollen Kliniktagen, eine gelöste und freudevolle Beziehung zu finden. Dies unterstützt beide in der für die kindliche Entwicklung so notwendigen emotionalen Feinabstimmung und Anpassungsleistung.

Musiktherapie im Rahmen der Frühförderung (ab 3 Jahre bis Schuleintritt)

Körperliche und geistige Entwicklungsverzögerungen können zu Störungen der Fähigkeit führen, Kontakt mit anderen Menschen aufzunehmen, in Beziehung zu treten, mit den eigenen Möglichkeiten kreativ umzugehen, zu spielen oder sprechen zu lernen. Diese Störungen haben oft Ängste, mangelndes Selbstvertrauen oder psychische Probleme zur Folge. Musiktherapeutische Ansätze können hier sein:

  • Die heilpädagogisch orientierte Musiktherapie nach G. Orff: Sie dient der multisensorischen und erlebnisaktivierenden Förderung von Kindern mit (drohenden) motorischen, sensorischen oder kognitiven Behinderungen. Gezielte multisensorische Erfahrungsangebote ermöglichen die Steigerung der Wahrnehmungsfähigkeit, stärken das Gedächtnis und den Ausbau neuronaler Schaltkreise im Gehirn und ermöglichen so evtl. die Kompensation bei Ausfall eines Sinnes oder einer Funktion.

  • Der kreativ-musikalische Ansatz nach Nordoff & Robbins: Dieser entfaltet über das gemeinsame musikalische Tun das (in jedem Kind vorhandene) musikalisch-kreativen Potenzial, das die individuelle emotionale und soziale Entwicklung vorantreibt. 

  • Der psychotherapeutisch-entwicklungsfördernde Ansatz: Auf der Grundlage des Wissens um die Voraussetzungen der frühen emotionalen und sozialen Entwicklung wird hier auf spielerischer Ebene gezielt angesetzt, um das Kind in seiner emotionalen und sozialen Entwicklung zu unterstützen und drohenden Fehlentwicklungen entgegenzusteuern.

Musiktherapeutische Früherziehung (4-6 Jahre)

Von ausgebildeten Musiktherapeuten wird meist in integrativen  Gruppen (von Behinderung bedrohter und gesunder Kinder) musik-therapeutische Früherziehung angeboten. Dieses Angebot geht über die „musikalische Früherziehung" weit hinaus, weil hier nicht allein die musikalische, sondern die emotionale und soziale Entwicklung, Wahrnehmung und Motorik im Blickpunkt stehen und Förderung erfahren.

Einzelmusiktherapie als psychotherapeutische Maßnahme (ab 5 Jahre)

Für alle Kinder, die besonders unter emotionalen Folgeproblemen zu leiden haben, empfiehlt sich diese Form von Musiktherapie. Hier können emotionale Schwierigkeiten nonverbal-kreativen Ausdruck finden und werden kindgerecht psychotherapeutisch auf emotionaler und/oder symbolischer Ebene bearbeitet.

Gruppenmusiktherapie als sozial-unterstützendes Angebot (ab 6 Jahre)

Für Kinder, bei denen soziale Probleme mit Gleichaltrigen im Vordergrund stehen, bieten sich musiktherapeutisch geführte Kleingruppen an. Sie unterstützen die Kinder, sich im musikalischen Tun als Teil einer Gruppe zu erleben, ein positives und konstruktives Gemeinschaftserleben zu festigen und soziale Kompetenzen z.B. in Rollenspielen zu erproben und zu erweitern.

Wo finde ich musiktherapeutische Angebote in meiner Nähe?

Vielfach sind Musiktherapeuten an Fachkliniken, Frühfördereinrichtungen/sozial-pädiatrischen Zentren oder auch an Musikschulen angestellt. Ambulant tätige Musiktherapeuten findet man unter www.musictherapyworld.net oder www.musiktherapie.de (links zu den musiktherapeutischen Fachverbänden ermöglichen den Zugang zu entspr. Adresslisten)

Zur weiteren Information:

Monika Nöcker-Ribaupierre, Marie-Luise Zimmer (2004):
Förderung frühgeborener Kinder mit Musik und Stimme.

Reinhardt Verlag München.
siehe Literaturempfehlungen