„Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang noch gut an den Fall einer verzweifelten Mutter. Ihr Kind war in einem kleinen Perinatalzentrum wohnortnah als sogenanntes Extremfrühchen zur Welt gekommen. Nachgeburtlich erklärte ihr das Stationsteam insgesamt sieben Mal, dass man mit seiner Expertise am Ende sei und das Kind es wohl nicht schaffen werde. Die Mutter ertrug das tatenlose Abwarten nicht länger und kontaktierte den Bundesverband „Das frühgeborene Kind“ e.V. Dieser riet umgehend zur Verlegung per Hubschrauber in ein großes Zentrum mit fachlicher Expertise. Dort gelang es dem Ärzteteam, das Kind, allen schlechten Prognosen zum Trotz, zu stabilisieren. Einige Jahre später durfte ich das Kind persönlich kennenlernen. Das war für mich als selbst betroffene Mutter sehr bewegend, wenn man bedenkt, dass das Ärzteteam am Geburtsort das Kind schon aufgegeben hatte und es ohne das Drängen der Mutter auf Verlegung höchstwahrscheinlich gestorben wäre.“ Katarina Eglin, Pressereferentin BVDfK
Folgende Fakten lassen sich nicht wegdiskutieren:
- Kein Land in Europa leistet sich so viele Perinatalzentren der höchsten Versorgungsstufe (Level 1) wie Deutschland.
- Nur ca. 9 Prozent aller Frühgeborenen fallen in diesen Zuständigkeitsbereich der höchsten Versorgungsstufe.
- Damit stehen einer vergleichsweise kleinen Patientengruppe unverhältnismäßig viele Level 1 Zentren gegenüber.
- Studien zeigen, dass der erfahrene und routinierte Umgang mit Hochrisikopatienten entscheidend zur Behandlungsqualität beiträgt.
- Skandinavische Länder machen erfolgreich vor, dass sich auch längere Distanzen in ein großes Zentrum bei drohender Frühgeburt verantwortungsvoll per Hubschrauber bewältigen lassen.
- Frühgeborene sind die maßgebliche Gruppe in den jährlichen Säuglingssterblichkeitsstatistiken.
- Im Europäischen Vergleich schneidet Deutschland in der Statistik zur Säuglingssterblichkeit nur mittelmäßig ab.
- In Bundesländern mit wenigen Level 1 Zentren ist die Überlebensquote besser als in Bundesländern mit vielen dieser Zentren.
Fachverbände sind sich einig: Wir können viel dafür tun, diese Sterblichkeit zu vermeiden. Dafür brauchen wir eine wirksame Mindestmengenregelung und die Zentralisierung der Geburtskliniken.
Der Bundesverband teilt diese Auffassung uneingeschränkt und appelliert an die zuständigen Entscheidungsträger, das mittlerweile jahrelang andauernde zähe Ringen um maßgebliche Verbesserungen nicht wieder zu verwässern. „Wir brauchen jetzt konsequentes Handeln, damit nicht noch mehr Familien den Preis für eine zögerliche Haltung bezahlen müssen!“, so die eindringliche Forderung von Dr. Maria Hitzschke, geschäftsführende Vorstandsvorsitzende des Elternverbandes, der sich mit seinem Appell explizit auch an gesundheitspolitische Vetreter:innen der Länder wendet.
Pressekontakt: Katarina Eglin | pr(at)fruehgeborene.de | 0160-5209666