Glück ist das einzige, das sich vervielfacht, wenn man es teilt. (frei nach A. Schweitzer)

 

Zwillinge und Mehrlinge

Wenn Zwillinge oder Mehrlinge zur Welt kommen, dann sind Eltern besonders gefordert. Sie müssen sich gleich zwischen mehreren Kindern aufteilen. Das gilt auch für die Situation auf der Frühgeborenen-Station.

Unterschiedliche Konstellationen

Umgangssprachlich wird zwischen eineiigen und zweieiigen Zwillingsschwangerschaften unterschieden. 

Eineiige Zwillinge

Eineiige Zwillinge teilen sich die gleichen Gene und sind daher in der Regel auch immer gleichgeschlechtlich. Bei den eineiigen Zwillingen gibt es zudem unterschiedliche Varianten, was die Enge ihrer vorgeburtlichen Verbindung betrifft. In Abhängigkeit zum Zeitpunkt der Zellteilung nach einer Befruchtung wird zwischen drei Stadien unterschieden:

  • Frühes Zellteilungsstadium (bis zum 3. Tag): Jedes Embryo hat eine eigene Plazenta und eine eigene Fruchtblase (dichoriale Zwillinge)
  • Mittleres Zellteilungsstadium (zwischen dem 3. und 7. Tag): Jedes Embryo hat eine eigene Fruchtblase; beide teilen sich allerdings eine Plazenta (monochorial-diamniote Zwillinge).
  • Spätes Zellteilungsstadium (nach dem 9. Tag nach der Befruchtung): Beide Embryos teilen sich eine Plazenta und eine Fruchtblase (monochorial-monoamniote Zwillinge).

Zweiige Zwillinge

Bei zweieiigen Zwillingen werden zwei zeitgleich gereifte Eizellen von zwei unterschiedlichen Spermien befruchtet. Die Kinder sind daher genetisch nicht enger verwandt als das bei Geschwistern der Fall ist, die nacheinander ausgetragen wurden.

Risiken bei Zwillingsschwangerschaften

Die gute Nachricht vorweg: Heutzutage ist eine eineiige Zwillingsschwangerschaft normalerweise kein Problem mehr. Trotzdem wird sie sicherheitshalber als Risikoschwangerschaft eingestuft und besonders engmaschig überwacht. Neben Problemen für die Mutter, wie die erhöhte Gefahr einer PräeklampsieEisenmangel und Blutarmut, birgt eine Schwangerschaft mit Mehrlingen auch für die Kinder Gefahren:

  • So kann es bei einer Zwillingsschwangerschaft häufiger zu einer Frühgeburt kommen (Geburt vor der 37. SSW).
  • Wenn die Babys sich eine Plazenta teilen, kann es passieren, dass eines von beiden nicht genügend versorgt wird (Fetofetales Transfusionssyndrom TTTS).
  • Auch besteht ein Risiko, dass sich die Nabelschnur des einen Fötus um den Hals des anderen wickelt (Nabelschnurumschlingung).

Statistisch kommen Zwillinge gegenüber Einlingen häufiger als Frühgeborene zur Welt. Bei höhergradigen Mehrlingen ist das fast immer der Fall. Ausschlaggebend dafür ist auch die räumliche Enge in der Gebärmutter.

Räumliche Nähe

Bestenfalls können beide Kinder auf einer Station versorgt werden. Das setzt voraus, dass sie ähnlich stabil sind, was ihre gesundheitliche Situation betrifft. Das erleichtert es den Eltern erheblich, sich zwischen den Kindern aufzuteilen. Manche Stationen ermöglichen den Kindern zumindest phasenweise den vorgeburtlich vertrauten engen Kontakt im Mutterleib. 

Entlassungsvorbereitung

Nicht immer sind die Kinder zeitgleich so fit, dass sie gemeinsam nach Hause entlassen werden können. Das stellt Familien vor zusätzliche Probleme, wenn ein Teil der Rasselbande schon zu Hause ist und andere Kinder noch in der Klinik versorgt werden müssen. Bestenfalls kann das vorzeitig entlassene Kind täglich in Begleitung der Eltern mitgebracht werden. Alternativ besteht mitunter die Möglichkeit, das fittere Kind erst zu einem späteren Zeitpunkt gemeinsam mit dem noch länger in der Klinik zu versorgenden Kind zu entlassen.

Hilfreiche Unterstützung

Nach der Entlassung sind Zwillings- oder Mehrlingsfamilien häufig auf zusätzliche Unterstützung angewiesen. Insbesondere, wenn die Kinder als Frühchen zur Welt gekommen sind, können pädagogische und therapeutische Maßnahmen zur Entwicklungsförderung in Anspruch genommen werden. 

Es gibt einige Angebote, die Entlastung und Unterstützung im Alltag bieten:

Sonderregeln

Für Zwillings- bzw. Mehrlingsfamilien gelten besondere Regelungen, was die Elternzeit betrifft. Die Mutterschutzfrist beginnt, wie bei anderen Schwangerschaften, 6 Wochen vor der Entbindung. Allerdings verlängert sich die Mutterschutzfrist nach der Geburt um zusätzliche 4 auf insgesamt 12 Wochen ab der Geburt. Bei einer Frühgeburt werden zudem, die vorher nicht vollumfänglich in Anspruch genommenen Wochen hinzuaddiert.