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BV-Symposium 2014: eine Nachlese

BV-Symposium 2014: eine Nachlese

Frühgeborenenversorgung in Deutschland

Voneinander lernen

Unter diesem Titel beleuchtete der Bundesverband „Das frühgeborene Kind“ e.V. gemeinsam mit den mehr als hundert interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Rahmen seiner Vortragsveranstaltung am Samstag, den 1.11. in Frankfurt/Main ganz unterschiedliche Bereiche der Frühgeborenenversorgung in Deutschland.

Nach einer kurzen Rückschau auf die Anfänge der Betreuung von zu früh geborenen Kindern und entscheidenden Fortschritte, wurden international bereits realisierte moderne und richtungsweisende Versorgungskonzepte vorgestellt, die eine individuelle, entwicklungsfördernde und familienzentrierte Betreuung ermöglichen. Vor allem das im Juni 2010 neu eröffnete Eltern-Baby-Zentrum des Salzburger Landeskrankenhauses hat im europaweiten Vergleich Maßstäbe gesetzt, was die architektonische Umsetzung betrifft.

In diesem Kontext wurde auch auf das Webportal neo(t)räume® (www.neotraeume.de) des Bundesverbandes „Das frühgeborene Kind“ e.V verwiesen. Dieses zeigt bauliche Anforderungen an eine moderne Frühgeborenenstation auf unterschiedlichen Darstellungsebenen und belegt diese mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zur förderlichen Entwicklungsumgebung für die Allerkleinsten. Damit liefert das Portal konkrete Gestaltungsideen und ist Ratgeber für Einrichtungen, die im Sinne einer fortschrittlichen Versorgung modernisieren wollen.

Neben dem sich vollziehenden Wandel in der Pflege, weg von der aktiven Betreuungsrolle gegenüber dem Kind hin zum Familiencoach, der die Eltern möglichst frühzeitig in die Pflege und Versorgung des eigenen Kindes einbindet, wurden zudem wissenschaftliche Erkenntnisse aus dem medizinischen Bereich thematisiert, die geeignet sind, gefürchtete Komplikationen wie Hirnblutungen bei Frühgeborenen zu reduzieren.

Auch in diesem Zusammenhang zeigt sich, dass gegenseitiger Austausch und gute Vernetzung zwischen allen an der Versorgung von Frühgeborenen Beteiligten über Stadt- und Landesgrenzen hinweg ein unerlässliches Kriterium zur durchaus noch möglichen Verbesserung von bisherigen Behandlungsstrategien ist.

Wie die Reform von jahrzehntelang etablierter Versorgungsroutine gelingen kann, schilderten weitere Referenten aus der eigenen Praxiserfahrung. Auch hier spielt der Teamgedanke eine maßgebliche Rolle. Nur gemeinsam lassen sich eingefahrene Behandlungsabläufe hinterfragen und neu erarbeitete Vorgaben umsetzen – auch wenn das nicht selten Geduld und Nachsicht im Umgang miteinander erfordert.

Dieses Teamgedanke beschränkt sich nicht nur auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der neonatologischen Stationen, sondern erstreckt sich zudem auf alle benachbarten Professionen, sowohl im präventiven Bereich (Gynäkologie und Geburtshilfe) als auch im Bereich der Nachbetreuung (bspw. Pädiatrie, sozialpädiatrische Nachsorge, Entwicklungsneurologie), denn die Akutphase auf der neonatologischen Station ist im besten Fall nur ein kleiner, wenn auch bedeutender, Abschnitt im Leben dieser Kinder.

Erst in der Gesamtschau lassen sich ihre Chancen, aber auch potenziellen Beeinträchtigungen erfassen, einordnen und verbessern – ein Umstand, dem das 2012 gegründete Netzwerk Neonatologie mit Vertretern aus unterschiedlichen Versorgungsbereichen gerecht werden möchte.

Im Rahmen der Veranstaltung wurden zudem die diesjährigen PauLA-Preisträger ausgezeichnet. Den Preis für außergewöhnliche Leistungen zum Wohl der Allerkleinsten, den der Bundesverband alle zwei Jahre anlässlich seines Symposiums verleiht, erhielten PD Dr. med. Angela Kribs aus Köln für ihren unermüdlichen Einsatz, was eine möglichst schonende medizinische Behandlung der sensiblen Patienten betrifft, und das Team der Elternberatung an der Klinik für Neonatologie an der Berliner Charité als Wegbereiter eines für Eltern solch immens wichtigen Unterstützungsangebotes.

Die Preisverleihung wurde dankenswerterweise von dem Bio-Pharma-Unternehmen AbbVie Deutschland GmbH & Co KG unterstützt.

Die abschließende Podiumsdiskussion machte deutlich, dass ein Strukturwandel in Deutschland dringend erforderlich ist. Das betrifft neben der bestehenden Versorgungslandschaft und den bisherigen Vergütungsmodellen für die Behandlung der kleinen Patienten auch die Personalsituation auf neonatologischen Stationen. Derzeit erlauben eng getaktete Behandlungsabläufe aufgrund von Personalknappheit und hoher Fluktuation oftmals keine Zeit für eine individualisierte und bedarfsgerechte Versorgung der empfindsamen kleinen Patienten.

Hier ist auch die Politik, an diesem Tag vertreten durch SPD - Bundestagsabgeordnete Susann Rüthrich, gefordert, maßgebliche Reformen zu beschließen und bereits in entsprechenden Fachgremien verabschiedete Richtlinien im Gesundheitswesen zu bekräftigen, damit zukünftige Frühchen-Generationen vom bestmöglichen Start ins Leben profitieren können – wovon letztendlich auch Deutschland im Hinblick auf stetig sinkende Geburtszahlen gesamtgesellschaftlich betrachtet nur profitieren kann.

Der Bundesverband bedankt sich bei der Kaufmännischen Krankenkasse – KKH und der Techniker Krankenkasse für die Förderung der Veranstaltung und bei allen Teilnehmern für den konstruktiven Austausch. Ein weiterer Dank gilt den anwesenden Ausstellerfirmen.

 

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