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Frühgeborenenversorgung: Mehr qualifiziertes Personal für die Betreuung der Allerkleinsten!

Frühgeborenenversorgung: Mehr qualifiziertes Personal für die Betreuung der Allerkleinsten!

Der Bundesverband „Das frühgeborene Kind“ e.V. ist besorgt über die Personalsituation auf Frühgeborenenstationen und die Bestrebungen, dringend erforderliche und bereits beschlossene Verbesserungsvorgaben auszuhebeln.

Anlässlich des Weltfrühgeborenentages am 17.11. mahnt der Bundesverband „Das frühgeborene Kind“ e.V. Verbesserungen der in vielen Kliniken bisher nur unzureichend gelösten Betreuungssituation auf Frühgeborenen-Intensivstationen in Deutschland an.

 „Moderne individuelle entwicklungsfördernde und familienzentrierte Frühgeborenenversorgung kann nicht effizient funktionieren, wenn das neonatologische Team nicht ausreichend qualifiziert und personell entsprechend gut aufgestellt ist,“ so Barbara Grieb, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes „Das frühgeborene Kind“ e.V.

Diese Einschätzung teilt auch das Gremium von Ärzten, Krankenhäusern und Krankenkassen in Deutschland, der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), das bereits im Juni 2013 eine entsprechende Strukturreform verabschiedet hat. Diese sieht unter anderem eine verbindliche Erhöhung des Betreuungsschlüssels auf neonatologischen Stationen vor. Insbesondere sehr kleine und kranke Frühgeborene, müssen in sogenannten Perinatalzentren der höchsten Versorgungsstufe demnach zukünftig von einer ausschließlich für den einzelnen kleinen Patienten zuständigen qualifizierten Pflegekraft betreut werden. Zurzeit betreut eine Pflegekraft in der Regel zwei oder drei dieser aufwändig zu versorgenden Kinder gleichzeitig. Die 1:1 Vorgabe muss mit einer Übergangsfrist spätestens ab 1. Januar 2017 von den Kliniken umgesetzt werden. Andernfalls droht der Verlust des Status als Perinatalzentrum.

„Wir begrüßen diese Vorgaben ausdrücklich,“ betont Barbara Grieb mit Verweis auf Erfahrungen von Kliniken, die ein solches 1:1 Betreuungsmodell bereits umsetzen. Wissenschaftliche Studien belegen zudem, dass die Infektionsrate bei der Betreuung von mehreren Patienten durch eine Pflegekraft erheblich ansteigt. Auch Silke Mader, geschäftsführende Vorstandsvorsitzende der europäischen Stiftung European Foundation for the Care of Newborn Infants (EFCNI) befürwortet die beschlossene Strukturreform. Mit der neuen Regelung kann Deutschland zusammen mit skandinavischen Ländern wie Dänemark und Schweden eine Vorreiter-Rolle in Europa einnehmen.

Davon profitieren nicht nur die kleinen Patienten und ihre Eltern. Auch das Versorgungsteam aus Ärzten und Pflegekräften würde durch die Einstellung zusätzlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlastet.

Kritiker der Strukturreform bemängeln die Vorgaben als utopisch und bis Januar 2017 allein aufgrund des Fehlens von entsprechend qualifiziertem Personal als nicht erfüllbar. Doch kann das ein Argument sein, um grundsätzlich richtige Schritte bei der qualitativ notwendigen Verbesserung der Frühgeborenenversorgung in Deutschland einfach auszusitzen?

„Wenn es zurzeit nicht genügend Personal auf dem Markt gibt, dann muss produktiv darüber nachgedacht werden, wie die Situation im Sinne der betroffenen Patienten möglichst umgehend gelöst werden kann, statt darauf zu spekulieren, dass mit gutem Grund beschlossene Richtlinien schon wieder in der Versenkung verschwinden, wenn man nur laut genug die Existenzgefährdung der eigenen Kinderklinik beklagt und den Gesundheitsminister mit Beschwerdebriefen torpediert“, so Hans-Jürgen Wirthl, selbst betroffener Frühchenvater und Patientenvertreter im G-BA.

Fakt ist, dass sich die momentane Versorgungssituation im Ergebnis verbessern muss. Dabei geht es schon lange nicht mehr ausschließlich um die Frage, ob ein Kind lebend nach Hause entlassen werden kann, sondern darum, wie seine weitere Lebensqualität aussieht. Das betrifft vor allem die Allerkleinsten, die als sogenannte Hochrisikopatienten besonders anfällig für lebensbedrohliche Komplikationen sind.

Dass sich eine solche Hightech-Versorgung nicht in jeder größeren Kreisstadt vorhalten lässt, versteht sich schon allein unter ökonomischen Gesichtspunkten und ist in anderen medizinisch hochspezialisierten Fachbereichen bereits seit langem Realität, ohne dass dieser Umstand auch nur im Ansatz diskutiert würde. Daher wird man langfristig nicht um die grundsätzliche Frage einer Strukturreform der Versorgungslandschaft in Deutschland herumkommen.

In diesem Kontext ist auch die Politik in Bund und Ländern gefordert, maßgebliche Reformen und die Umsetzung bereits verabschiedeter Richtlinien im Gesundheitswesen aktiv zu unterstützen, damit zukünftige Frühchen-Generationen vom bestmöglichen Start ins Leben profitieren können – wovon letztendlich auch Deutschland im Hinblick auf stetig sinkende Geburtszahlen gesamtgesellschaftlich betrachtet nur profitieren kann, so der Appell des Verbandes an die Verantwortlichen in den zuständigen Schlüsselressorts.

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