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Stellungnahme zum neuen Mindestmengen-Beschluss vom 17.12.2020

Stellungnahme zum neuen Mindestmengen-Beschluss vom 17.12.2020

Berlin, 17.12.2020 Es gibt Behandlungen, bei denen die Qualität des Ergebnisses von der Anzahl der Patienten pro Jahr und Krankenhaus abhängt. Im Bezug auf die stationäre Versorgung von Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 1250 Gramm ist ein solcher Zusammenhang bereits seit Jahren nachweislich belegt. Ausreichende Erfahrung im Umgang mit derart unreifen Kindern wirkt sich existenziell auf die Wahrscheinlichkeit ihres Überlebens aus. 

Zurzeit gilt eine Mindestmenge von 14 Fällen pro Jahr und Klinik. Diese Fallzahl wird von Experten bereits seit Jahren als zu niedrig kritisiert, denn Studien belegen: Je mehr dieser besonders unreifen Frühgeborenen in einem Krankenhaus behandelt werden, umso besser sind ihre Überlebenschancen und geringer ihre Folgeschäden.

 Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat nun am 17.12. beschlossen, die bisherige Mindestmenge von 14 schrittweise auf angestrebte 25 Fälle pro Jahr und Klinik anzuheben. Die Patientenvertretung plädierte zunächst für eine Fallzahl von 30, denn diverse Studien unterstreichen, dass eine Fallmenge zwischen 30 bis 50 pro Jahr die besten Ergebnisse erzielt.

 Dennoch begrüßt der Bundesverband „Das frühgeborene Kind“ e.V. die neue Fallzahl von 25 nach langen Jahren des ergebnislosen Verhandelns und des 

Stillstandes als Kompromiss und ersten Schritt in die richtige Richtung, auch wenn sie hinter der ursprünglichen Forderung des Verbandes zurückbleibt. Sabine Leitner, politische Referentin des Bundesverbandes und dessen Vertreterin im G-BA betont, dass diese vulnerable und eher kleine Patientengruppe fachlich hoch qualifizierte und routinierte Versorgungsteams benötigt. Bei 30 Fällen im Jahr werden statistisch 2,5 Frühgeborene unter 1250 Gramm im Monat versorgt, bei 20 nur 1,6. Damit fehlt es am routinierten Umgang mit diesen Hochrisikopatienten. 

 „Erfahrene Klinikteams sind nicht nur in der medizinischen Versorgung der Allerkleinsten geübt, sondern auch in der Begleitung der Krisensituation der Eltern, den Bindungsaufbau und der Begleitung der Eltern in die Pflege ihres Kindes. Eine Notwendigkeit zur Stabilisierung der familiären Gesamtgesundheit“, fügt Leitner hinzu. 

Zudem plädieren Fachexperten für die Zusammenführung von Pflege- und Stationseinheiten, um die Personaldichte zu verbessern und Kompetenz zu zentrieren. Deutschland bewegt sich im zahlenmäßigen Verhältnis von Pflegepersonal pro Kopf der Bevölkerung international sogar im oberen Mittelfeld. Das bedeutet, dass ausreichend Pflegekräfte vorhanden wäre, wenn man sie auf weniger Häuser verteilen würde.

Im Ergebnis ist nicht damit zu rechnen, dass Kliniken nun schließen müssen, wenn sie die neue Fallzahl nicht erfüllen. Sie dürfen nur eine vergleichsweise kleine Patientengruppe, nämlich Kinder mit einem Geburtsgewicht von weniger als 1250 Gramm, aus den oben genannten Gründen nicht mehr behandeln. Das betrifft rund 10 Prozent aller Frühgeborenen pro Jahr.

Eine Folgenabschätzung hat aufgezeigt, dass die damit verbundenen Transporte oder Verlegungen von Schwangeren mit Frühgeburtsbestrebungen keine wesentlichen zusätzlichen Risiken beinhalten. Zusätzlich machen andere Länder wie Schweden vor, dass die Stärkung ländlicher Rettungssysteme Abhilfe schaffen kann.

Einer Umfrage zur Folge wählen Eltern das Perinatalzentrum nicht nur nach Wohnortnähe, sondern wünschen sich in erster Linie das kompetenteste Zentrum für eine Versorgung ihres Kindes. Die Erhöhung der Mindestmenge trägt damit zu Qualitätssteigerung und besserer Sicherheit für betroffene Familien bei. 

Ein Appell richtet sich insbesondere an die Länder, ihrer Verantwortung guter Krankenhausplanung bezüglich der Bevölkerungsdichte nachzukommen, die Kliniken zu unterstützen, diese sinnvoll zu zentrieren um unnötige Fahrverlängerungen zu vermeiden und Kompetenz und Teamroutine zu bündeln.

 „Betroffene Familien wünschen nicht die nächste, sondern die beste Versorgung für ihr Kind.“   

Sabine Leitner, politische Referentin des Bundesverbandes „Das frühgeborene Kind“ e.V.

Kontakt: Sabine Leitner| Katarina Eglin | BV „Das frühgeborene Kind“ e.V. | Darmstädter Landstraße 213 | 60598 Frankfurt am Main | Mail: sabine.leitner@fruehgeborene.de  pr@fruehgeborene.de 

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