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Stellungnahme zur 2-Jahres Nachuntersuchung

Stellungnahme zur 2-Jahres Nachuntersuchung

Gemeinsame Stellungnahme zur Nachuntersuchung Frühgeborener im korrigierten Alter von 24 Monaten

Als größte Kinderpatientengruppe Deutschlands bedürfen Frühgeborene bzgl. ihrer weiteren Entwicklung besonderer Aufmerksamkeit. Das gilt umso mehr, je unreifer diese Kinder bei ihrer vorzeitigen Geburt waren, wie diverse Studien eindrücklich belegen. Experten sind sich darüber einig, dass vor allem ehemals sehr kleine Frühgeborene (VLBW=Very Low Birth Weight), die mit einem Geburtsgewicht von weniger als 1.500 Gramm zur Welt kamen, regelhaft im korrigierten Alter von 24 Monaten entwicklungsdiagnostisch nachuntersucht werden sollen.

Das ist notwendig, um sicherzustellen, dass sich abzeichnende Probleme bei dieser für Entwicklungsbeeinträchtigungen besonders vulnerablen Gruppe der Frühgeborenen möglichst frühzeitig und verlässlich diagnostiziert werden. Nur auf dieser fundierten Grundlage lassen sich zeitnah geeignete Therapie- und Fördermaßnahmen ergreifen, um auf die weitere Entwicklung von Kindern mit entsprechenden Auffälligkeiten bestmöglich einwirken zu können. Aufgrund dessen ist diese Nachuntersuchung auch seit 20.06.2013 festgeschriebener Bestandteil der Qualitätssicherungs-Richtlinie Früh- und Reifgeborene. Dort ist explizit formuliert, dass eine vollständige Teilnahme an der Zwei-Jahres-Nachuntersuchung anzustreben ist.

Dieses explizit in der Richtlinie definierte Ziel lässt sich allerdings nur dann erreichen, wenn betroffene Kinder vorbehaltlos an ein entsprechendes Kompetenzzentrum (Frühgeborenen-Ambulanz des Perinatalzentrums bzw. Sozialpädiatrisches Zentrum) überwiesen werden, was zurzeit noch nicht regelhaft der Fall ist. Aufgrund dessen appelliert der Bundesverband „Das frühgeborene Kind“ e.V. als Patientenvertretung gemeinsam mit den wissenschaftlichen Fachgesellschaften GNPI und DGKJ sowie dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte an zuständige niedergelassene Pädiater, sich gemeinsam für die Erreichung dieses Zieles der Qualitätssicherungs-Richtlinie einzusetzen und Kinder mit einem Geburtsgewicht von weniger als 1.500 Gramm bzw. mit anderen feststehenden Entwicklungsrisiken regelhaft an entsprechende Kompetenzzentren zu überweisen. Diese zu erbringende Leistung fällt nicht unter die entsprechende DRG-Fallpauschale für stationäre Versorgung frühgeborener Kinder.

Ansonsten wird dieser wichtige Bestandteil der Qualitätssicherungs-Richtlinie konterkariert und das definierte Ziel bleibt unerreichbar. Zudem bliebe es in der Praxis schlimmstenfalls dem Zufall überlassen, ob und wann Frühgeborene mit hohem Entwicklungsrisiko fachlich kompetent diagnostiziert und, falls notwendig, therapeutisch behandelt werden - für betroffene Familien eine unzumutbare Situation, die vermeidbar wäre, wenn alle an der Versorgung beteiligten Fachdisziplinen proaktiv zusammenwirken.

Frankfurt/Main, den 10.12.2019

Prof. Dr. Ursula Felderhoff-Müser, Präsidentin der GNPI  

Barbara Mitschdörfer, Vorsitzende BVDfK

Prof. Dr. Ingeborg Krägeloh-Mann, Präsidentin der DGKJ

Dr. Thomas Fischbach, Präsident des BVKJ

 

 

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