Dachverband für Selbsthilfeinitiativen und Fördervereine

Hotline

Hotline: 0800 - 875 877 0 MO, DI, DO und FR von 9 bis 12 Uhr, MI 16 bis 19 Uhr

 

Verzicht auf spezifische Kinderkrankenpflegeausbildung ist Kindeswohlgefährdung!

Verzicht auf spezifische Kinderkrankenpflegeausbildung ist Kindeswohlgefährdung!

Gerade im Bezug auf die Frühgeborenenversorgung kommt es entscheidend auf den spezialisierten Umgang mit dieser sensiblen Patientengruppe an, denn die ersten Lebenstage, Wochen oder gar Monate in der Klinik entscheiden über den weiteren Entwicklungsverlauf dieser Kinder, die erst am Anfang ihres Lebens stehen und deswegen ein besonders umsichtiges und entsprechend sensibilisiertes Entwicklungsumfeld auf der neonatologischen (Intensiv-) Station brauchen.

Heute überleben selbst Kinder mit weniger als 500 Gramm Geburtsgewicht. Allerdings ist ihr gesundes Überleben maßgeblich davon abhängig, wie erfahren das behandelnde Ärzte- und Pflegeteam im Umgang mit diesen Hochrisikopatienten ist. Hilflos sind sie auf eine kompetente und ihren individuellen Bedürfnissen entsprechende Versorgung angewiesen. Das erfordert ein hohes Maß an Kenntnissen über und Erfahrungen mit unreifebedingte Besonderheiten dieser Kinder.

Ihre Reaktionsmuster, mit denen sie Überforderung, Stress und Schmerzen zum Ausdruck bringen können, sind nicht mit den Verhaltensmustern von reifen Neugeborenen zu vergleichen. Das frühzeitige Erkennen von sich anbahnenden Komplikationen, bspw. anhand von Sauerstoffsättigungsabfällen, Atemaussetzern und sich veränderndem Hautkolorit, kann unter Umständen lebensrettend für die Kinder sein. Je früher eine adäquate medizinische Intervention stattfinden kann, desto besser stehen die Chancen der Kinder für eine Bewältigung von zusätzlich belastenden Infektionen, die aufgrund des unvollständig entwickelten Immunsystems zur ständigen Bedrohung für die Allerkleinsten werden.

Hier sind vor allem die erfahrenen Kompetenzen den Pflegeteams als sprichwörtliches Frühwarnsystem gefragt. Als primäre Bezugspersonen verbringen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die meiste Zeit in der Interaktion mit dem Frühchen und seiner Familie und sind damit die ersten, denen Veränderungen an ihren kleinen Patienten auffallen, die in den entsprechenden Kontext gesetzt werden müssen. Welche Anzeichen sind gestationsspezifisch bedingt und welche Anzeichen sind bereits ernstzunehmende Vorboten von krankhaften Veränderungen?

Das kann nur von qualitativ umfassend in diesem spezifischen Fachbereich geschulten Pflegekräften geleistet werden. Aufgrund dessen fordert der Bundesverband als Vertreter der mit jährlich 60.000 Frühgeborenen größten Kinderpatientengruppe Deutschlands die Aufrechterhaltung der bisherigen Ausbildungsstandards, die entsprechende fachliche Inhalte bereits in der Grundausbildung vorsehen, um diesen unverzichtbaren Qualitätsanforderungen auch weiterhin gerecht werden zu können. Andernfalls werden sowohl betroffene Kinder als auch deren Eltern unter den zwangsläufig mit der aktuell diskutierten Reform einhergehenden Defiziten zu leiden haben.

"Wir appellieren an die gesamtgesellschaftliche Verantwortung der Mitglieder des Deutschen Bundestages für das Kindeswohl und das Wohl von Familien in diesem Land, denn nur mit kompetenter Begleitung kann aus den Allerkleinsten und ihren Eltern eine starke Familien werden - und Deutschland braucht gerade im Hinblick auf den demographischen Wandel vor allem starke Familien!", betont Barbara Grieb, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes.

Datei